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C H R O N I K
DER FREI-RELIGIÖSEN GEMEINDE OFFENBACH AM MAIN
zusammengestellt anlässlich der 150-Jahr-Feier der Gemeinde von Pfr.
i. R. Helmut Manteuffel; redaktionell bearbeitet, für das Internet aufbereitet
und fortgeschrieben von Pfr. Heinrich Keipp
1845
Ende Januar erhält der Kaufmann Joseph Pirazzi (14.1.1799 - 31.12.1868) einen anonymen Brief mit der Aufforderung,
im Sinne des in Mittel- und Ostdeutschland entstandenen Freigemeindetums,
eine deutsch-katholische Gemeinde zu gründen. [Der katholische Kaplan
Johannes Ronge hatte am 1. Oktober 1844 in seinem
offenen Brief an den Bischof
Arnoldi von Trier die Ausstellung des sogenannten Heiligen Rockes als
ein Götzenfest verurteilt. Dieser Brief war von Robert Blum, einem späteren
Abgeordneten des ersten gewählten deutschen Parlamentes (Paulskirchenbewegung),
der im Zuge der politischen Restauration 1848 erschossen wird, in den
Sächsischen Vaterlandsblättern veröffentlicht worden. Es entstand darauf
hin eine Reformbewegung weg von Rom, die in Schneidemühl und Breslau
zu den ersten deutsch-katholischen Gemeindegründungen führte.]
Im Februar nimmt der Sprachforscher und spätere Offenbacher Ehrenbürger
Dr. Lorenz Diefenbach Kontakt mit Joseph Pirazzi auf und erstellt für ihn sowohl
theologische Ausarbeitungen als auch Verfassungsentwürfe zur weiteren
Beratung. Am 3. März versucht Pirazzi vergeblich, den Mainzer Bischof
Petrus Leopold Kaiser für die Reformpläne des Deutsch-Katholizismus
zu gewinnen. Am 5. März treffen sich im "Schlosserschen" Saal
etwa 300 an der Reform Interessierte. Für den 9. März wird im "Wochenblatt
für die Stadt und den Kreis Offenbach" zur Gründungsversammlung
eingeladen. Die Mehrzahl der Anwesenden bekennt sich durch ihre Unterschrift
unter die Gründungsurkunde "aus freiem, selbständigem Entschlusse,
wohlbedächtig und wohlüberlegt" zur "Katholisch-christlichen
Gemeinde", die sich noch im Gründungsmonat, wie auch andere Gemeinden,
"deutsch-katholisch" nennt. Am 18. Mai wird in feierlicher
Form vor über 3000 Besuchern der erste Gottesdienst gehalten. Dieser sollte ursprünglich in der damaligen evangelischen
Schlosskirche stattfinden, wurde aber nach Eingang eines Nutzungsverbotes
aus Darmstadt in die innerhalb von 3 Tagen geräumte und festlich hergerichtete
Güterhalle des Speditionshauses Böhm und Marchand (heute Frankfurter
Straße 74 Hinterhaus) verlegt. Prediger ist Pfr. Karl Ferdinand Kerbler.
Im Juli wird Johannes Georg Keilmann zum ersten Pfarrer der Gemeinde
gewählt. Er wirkt bis 1853, kehrt dann zur römisch-katholischen Kirche
zurück und arbeitet als Hauptschullehrer bis zu seinem Tod in Gernsheim.
Im September wird den Deutsch-Katholiken in der Frage der religiösen
Unterweisung ihrer Kinder das Recht zugestanden, einen eigenen Unterricht
durchzuführen. Am 3. Oktober hält Ronge auf seiner fünften Rundreise
durch Deutschland auf dem Wiesengelände des Carl Christian Schäfer am
Südrand der Stadt (heute südlich des Bahndammes zwischen Schäferstraße
und Hohestraße) eine von über 13.000 Menschen mit Begeisterung aufgenommene
Predigt.
1846
Der Bau eines eigenen Gotteshauses wird beschlossen. Der größte Teil
der Baukosten wird durch Darlehensobligationen aufgebracht. Das Gelände war der Gemeinde teils von der
Stadt, teils von Johannes Hammardt geschenkt worden. Am 31. August erfolgt
die Grundsteinlegung am Schillerplatz.
1848
Die Schlosskirchengemeinde - später bekannt als lutherische Stadtkirche
- stellt ihre Kirche der Deutsch-Katholischen Gemeinde in Miete zur
Verfügung. Bis dahin fanden die Versammlungen im Ihmschen Haus (Karlstraße
12) und im "Darmstädter Hof " (Großer Biergrund 9) statt.
1853
Nach dem Ausscheiden von Pfr. Keilmann erfährt die Gemeinde drei Jahre
lang Amtshilfe aus befreundeten deutsch-katholischen Gemeinden durch:
Friedrich Wilhelm Flos (Frankfurt), Wilhelm Hieronymi (Darmstadt), Carl
Hiepe (Wiesbaden), Dr. Brugger (Heidelberg), Prediger Henneberg (Osthofen).
1856
Johann Martin Hirschmann,
letzter ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt, übernimmt nach der jahrelangen
Tätigkeit von Joseph Pirazzi den ersten Vorsitz im Gemeindevorstand.
Der von seiner Predigt bei dem ersten Gottesdienst bereits bekannte
Pfr. Karl Ferdinand Kerbler
wird zum Pfarrer der Gemeinde gewählt. Er wirkt bis zu seinem Tod im
Jahre 1868.
1858
Die feierliche Einweihung des Gotteshauses der Gemeinde
erfolgt am 9. Mai. Bei einem anschließenden Festessen stiftet Dr. Jacobson
von der Gemeinde Berlin 1000 Gulden zur Gründung einer "Freireligiösen
Stiftung".
1859
Der Offenbacher Geschichtsschreiber und Sohn des Gemeindegründers, Emil
Pirazzi, vertritt die Gemeinde bei der Gründung des "Bundes Freireligiöser
Gemeinden Deutschlands" am 16. und 17. Juni in Gotha.
1863
Auf ihr Gesuch werden der "Deutsch-Katholischen (freireligiösen)
Gemeinde in Offenbach a. M." am 24. Juni vom Darmstädter Großherzoglichen
Ministerium des Innern die Korporationsrechte verliehen.
1868
Am letzten Tag des Jahres stirbt Joseph Pirazzi. Sein Tod wird vom Amtsnachfolger
Pfr. Kerblers, der im Juli die Gemeinde verlassen hat, Pfarrer Heribert Rau, ins Sterberegister
der Gemeinde eingetragen. Rau, der noch als Kaufmann bei der Gründung
der Frankfurter Gemeinde initiativ war, wirkt nach Theologiestudium
und Beschäftigung in Stuttgart und Mannheim seit seiner Antrittspredigt
am 2. August als Pfarrer in Offenbach bis 1875. Weithin bekannt ist
seine schriftstellerische Tätigkeit durch die Veröffentlichung biographischer,
schöngeistiger, kulturgeschichtlicher und naturwissenschaftlicher Werke.
Er stirbt 1876 in Frankfurt.
1875
Die Gemeinde erhält, zusammen mit der evangelischen und der katholischen
Kirche, das Besteuerungsrecht. In der Zeit, in der die Gemeinde nach
einem neuen Pfarrer sucht, leisten Friedrich Wilhelm Flos aus Frankfurt
und Wilhelm Hieronymi aus Mainz sowie Friedrich Albrecht aus Ulm Amtshilfe.
1877
Am 18. Mai wird Karl Voigt aus Eisfeld in Thüringen
von den beiden Gemeindevorsitzenden Johann
Martin Kappus und Emil Pirazzi als neuer
Gemeindepfarrer eingeführt. Er hatte in Jena Theologie, Philosophie,
Zoologie und Entwicklungslehre studiert und war in verschiedenen Lehrerstellen
tätig gewesen. Voigt begründet als "Blätter für die religiöse Reform
und Humanität" die Gemeindezeitschrift "Die Morgenröthe".
1893
Der Gemeindechor, der über 60 Jahre bei Feier- und Weihestunden der Gemeinde
wie auch bei öffentlichen Veranstaltungen auftritt, wird gegründet.
1894
Am 18. November findet die Feier zur Einweihung
der im Innern neu hergestellten Erbauungshalle statt. Gustav Rochow übernimmt das Amt des ersten Vorsitzenden in der Gemeinde,
das er mit Unterbrechungen bis zu seinem Tod 1916 inne hat. Von 1904
bis 1907 liegt die Gemeindeleitung in Händen des Offenbacher Lithographen
Georg Wilhelm Hirschmann.
1895
Zur Erinnerung an das 50jährige Bestehen der Gemeinde erscheint "Die
Gründung der Deutschkatholischen Gemeinde in Offenbach am Main. Eine
Festschrift zur ersten Halb-jahrhundertfeier ihres Bestehens von Emil
Pirazzi."
1905
Der evangelischen Friedenskirchengemeinde wird die Erbauungshalle
am Schillerplatz bis zur Fertigstellung ihres eigenen Gotteshauses
(1912) zur Verfügung gestellt.
1907
Zur Unterstützung für Pfr. Voigt und vor allem zur Durchführung des
Religionsunterrichtes wird die Stelle eines zweiten Pfarrers ausgeschrieben
und der aus Diedendorf sich bewerbende Vikar Otto Bloch am 15. Dezember als Pfarrer eingeführt. Er scheidet jedoch
nach siebzehn Amtsjahren zum allgemeinen Bedauern 1925 aus dem Dienst
der Gemeinde aus und wird wieder evangelischer Pfarrer in Dudenhofen.
1912
Die Gemeindeversammlung beschließt einstimmig, fortan von Abendmahlsfeiern
abzusehen.
1913
Der Jugendbund der Gemeinde wird mit 70 Mitgliedern gegründet. Er wird
im "Dritten Reich" aufgelöst.
1917
Pfarrer Karl Voigt, der am 1. April 1910 aus gesundheitlichen Gründen
in den Ruhestand trat, jedoch bis zu seinem Tod am 26. Juni 1924 in
Offenbach innerhalb und außerhalb der Gemeinde wirkt, wird anlässlich
seines 40jährigen Dienstjubiläums von der Großherzoglich Hessischen
Staatsregierung mit dem "Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens
Philipps des Großmütigen" hoch geehrt. Zum ersten Vorsitzenden
in der Gemeindeleitung wird Wilhelm Haeußer gewählt, der dieses Amt
bis 1927 inne hat.
1924
Der "Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands" und der bürgerliche
Freidenkerverband gehen im "Volksbund für Geistesfreiheit"
auf. Zur Wahrung der alten freireligiösen Tradition bilden im Oktober
südwestdeutsche Gemeinden, darunter auch Offenbach, den "Verband
Freireligiöser Gemeinden Süd - und Westdeutschlands".
1925
An seinem 40. Geburtstag, dem 1. November, tritt Erich Schramm, ein philosophisch, literarisch gebildeter Philologe des
höheren Lehramtes sein Amt als Gemeindepfarrer an. Er widmet sich der
Jugendarbeit, pflegt internationale Kontakte und bringt 1929 die Jugendgruppe
der Gemeinde in Verbindung mit dem "Leidener Internationalen Bureau",
der späteren "International Religious Fellowship" (IRF).
1927
Der Frauenverein der Gemeinde wird mit 40 Mitgliedern gegründet und
trifft sich zu Geselligkeit und Zwecken der Wohltätigkeit im Gemeindesaal,
der sich im Haus des Seifenfabrikanten und Vorstandsmitglieds Ludwig
Kappus befindet. Der Berufsschullehrer August Raab übernimmt für 12
Jahre den Vorsitz in der Gemeinde.
1933
Im Zuge heftiger politischer und weltanschaulicher Auseinandersetzungen
in der Gemeinde scheidet Prediger Schramm, unter anderem auch auf Vorhaltung
seiner Homosexualität, aus den Diensten der Gemeinde aus. Um Amtshilfe
wird Pfr. Clemens Taesler aus Frankfurt gebeten. Im August beschließt
die Gemeindeversammlung eine neue Verfassung und nimmt dabei den Namen
"Freichristliche (freireligiöse) Gemeinde" an.
1934
Am 15. Februar übernimmt, von der freireligiösen Gemeinde in München
kommend, Max Gehrmann die Pfarrstelle. Der
in Elbing geborene ehemalige katholische Priester hatte sich nach den
Erlebnissen als Militärpfarrer im Ersten Weltkrieg und der Auseinandersetzung
mit der vergleichenden Religionswissenschaft vom Absolutheitsanspruch
der christlichen Kirche losgesagt. Der Südwestdeutsche Verband benennt
sich in "Freie Religionsgemeinschaft Deutschlands" um. In
schwierigen Verhandlungen mit höchsten Partei- und Regierungsstellen
gelingt es so, ein auch für die Offenbacher Gemeinde drohendes Verbot
abzuwenden.
1936
Im Frühjahr wird der Innenraum der Weihehalle, dessen Gepräge noch aus
der Zeit vor der Jahrhundertwende stammt, völlig umgestaltet.
1943
Am 20. Dezember wird die Weihehalle am Schillerplatz bei Luftangriffen
zerstört und brennt aus. Damit sind
auch die in den zwanziger Jahren von dem holländischen Glasmaler Thorn-Prikker
entworfenen und vom Offenbacher Schriftkünstler Otto Reichert mit Texten
versehenen 5 Buntglasfenster der Südseite der Halle vernichtet. Ein
Teil des Archivmaterials der Gemeinde kann jedoch gerettet werden. Ludwig
Limbert tritt vom Amt des ersten Vorsitzenden zurück, das er seit 1939
inne hatte.
1945
Nach Kriegsende findet im Oktober wieder eine Mitgliederversammlung
statt. Gemeindevorsteher wird Schulrektor Fritz Herrmann. Die Veranstaltungen
der Gemeinde finden in Gaststätten, dem Logensaal und der Wohnung des
Pfarrers in der Rathenaustraße statt.
1948
Auf einem Treffen der freireligiösen Gemeinden der drei Westzonen gründet
sich im September in Offenbach die Arbeitsgemeinschaft der freireligiösen
Verbände, die sich dann wieder den alten Namen "Bund Freireligiöser
Gemeinden Deutschlands" gibt und bald danach mit der "Freien
Religionsgemeinschaft Deutschlands" zusammengeht.
1949
Im Oktober gründet sich in Offenbach der "Freireligiöse Jugendbund
Deutschlands" wieder. Kurz vor Weihnachten wird das ca. 100 Personen
fassende Behelfsheim der Gemeinde, eine Stahlblechbaracke aus amerikanischem
Heeresbesitz, eingeweiht.
1952
Nachdem die Offenbacher Jugendgruppe in den letzten zwei Jahren an internationalen
Begegnungen teilnehmen konnte, wird der "Freireligiöse Jungendbund
Deutschlands" wieder in die "International Religious Fellowship"
(IRF) aufgenommen .
1954
Mit Festveranstaltungen im September werden durch den neu gewählten
Gemeindevorsteher Heinrich Becht die unteren Räume der in den alten
Grundmauern, innerlich jedoch völlig neu zu einem Gemeindezentrum konzipierten,
wieder erbauten Weihehalle ihrer Bestimmung übergeben.
1956
Der inzwischen fertiggestellte große Weiheraum im Obergeschoß wird mit
der ersten elektronischen Kirchenorgel Offenbachs ausgestattet. Walter
Manteuffel, zum Gemeindevorsteher gewählt, begrüßt die Delegierten des
Kongresses des Internationalen Religiösen Jugendbundes (IRF) auf der
Rosenhöhe.
1957
Pfr. Max Gehrmann erstellt den "Bildungsplan für den frei-religiösen
Unterricht". Die Gemeinde löst die nach dem Krieg eingegangene
Bindung an die "Freireligiöse Landesgemeinschaft Hessen" und
scheidet damit auch aus dem "Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands"
aus. Der Wiedereintritt in den Bund erfolgt 1972 als selbständige über
Offenbach hinaus tätige Großgemeinde.
1958
Im Februar beginnt Pfarrer Diether Gehrmann seinen Dienst in der Gemeinde
neben seinem Vater. Er war unmittelbar nach dem Krieg beim Wiederaufbau
der Jugendarbeit und der Herstellung der internationalen Kontakte zu
englischen und amerikanischen Unitariern tätig geworden und nach dem
Studium in Frankfurt, Mainz, Chicago und Berkeley in den USA zum Pfarrer
ordiniert worden. Im Sommer wird die Gemeinde im Kreis einer deutschen
Arbeitsgemeinschaft in den "Weltbund für Religiöse Freiheit und
Freies Christentum" (IARF) aufgenommen.
1959
Als monatliches Gemeindemitteilungsblatt wird die "Schillerplatz
Vorschau" neben der nun vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift
"Morgenröte" herausgegeben.
1962
Im Januar bezieht das 1958 eingerichtete Gemeindeamt die Räume des soeben
vollendeten Pfarr- und Gemeindehauses. Der Journalist Ulrich Maletzki
wird zum Gemeindevorsteher gewählt. Ein Jahr später übernimmt Architekt
Heinrich Lehberger den Gemeindevorsitz. An allen Offenbacher Einfahrtsstraßen
werden entsprechend den Tafeln der beiden christlichen Großkirchen Hinweisschilder
auf die Frei-religiöse Gemeinde aufgestellt.
1964
Im September wird Helmut Manteuffel als zweiter Pfarrer neben Pfr. Diether
Gehrmann in die Gemeinde eingeführt. Er hatte nach dem religionswissenschaftlichen
Studium in Marburg seine Ausbildung zum Pfarrerabschluss in Berkeley
(USA) erworben.
1965
Das neuerstellte Jugendheim am Schillerplatz wird im März eingeweiht.
Gemeindevorsteher wird Dr. Joachim Bartsch. Pfr. Manteuffel wird zum
ersten deutschen Präsidenten des Internationalen Religiösen Jugendbundes
(IRF) gewählt.
1966
Der ehemalige Handelsschuldirektor Dr. Fritz Eich wird zum Gemeindevorsteher
gewählt. Im Sommer beginnt der internationale Pfarreraustausch zwischen
einer unitarisch-universalistischen Gemeinde in Philadelphia (USA) mit
Rev. Rudolf Gelsey und der Frei-religiösen Gemeinde in Offenbach mit
Pfr. Diether Gehrmann. Der Austausch endet im Sommer des folgenden Jahres
und Pfr. Gehrmann übernimmt eine unitarische Gemeinde bei New York.
Er wird später Generalsekretär des "Weltbundes für Religiöse Freiheit"
(IARF).
1968
Im Januar wird der "Verband Freier Religionsgemeinschaften"
von der Freireligiösen Landesgemeinde Baden, der Unitarischen Freien
Religionsgemeinde Frankfurt a.M. und der Frei-religiösen Gemeinde Offenbach
in Wiederaufnahme der Tradition des früheren Südwestverbandes gegründet.
Im Dezember wird Jürgen Rasche zum zweiten Pfarrer der Gemeinde bestellt.
Er bleibt bis 1972.
1969
Zum Gemeindevorsteher wird Stadtoberamtmann Hans Kaufmann gewählt. Anlässlich
der Veröffentlichung der Gedichtsammlung "Weltmelodie" und
der "Geschichte der Freireligiösen Gemeinde in Offenbach am Main"
wird Pfr. Max Gehrmann in Würdigung seines Wirkens die Bürgermedaille
der Stadt Offenbach in Bronze verliehen. Er war 1961 in den Ruhestand
getreten, wirkt in der Gemeinde aber noch bis kurz vor seinem Tod am
13. Juni 1977.
1970
In einem Festzyklus vom 8. bis 22. März feiert die Gemeinde ihr 125jähriges
Bestehen.
1972
Ein ehrenamtlicher Betreuungsdienst für die Gemeindemitglieder in Offenbacher
Alten- und Pflegeheimen wird eingerichtet.
1973
Der aus der ehrenamtlichen Jugendarbeit kommende Wolfgang Braun wird
zum Gemeindevorsteher gewählt. Das in den sechziger Jahren entstandene
Hilfswerk der Gemeinde wird umgestaltet und als "Frei-religiöses
Sozialhilfswerk" erneut ins Vereinsregister eingetragen. Durch
Mitgliedschaft in der "Offenbacher Arbeitsgruppe Wildhof"
unterstützt die Gemeinde eine erste Betreuungsstelle für Drogengefährdete
in der Stadt. Eine Stelle für eine Gemeinde-Krankenpflegerin wird geschaffen
und besetzt, muss jedoch nach sieben Jahren wieder aufgegeben werden.
Die Gemeinde erhält die Anerkennung als Einrichtung zur Ableistung des
zivilen Ersatzdienstes von Kriegsdienstverweigerern.
1975
Als zweiter Pfarrer neben Pfr. Manteuffel wird Manfred Menzel eingestellt,
der anfänglich ökologische Gesichtspunkte, später genmanipulatorische
Vorstellungen in die Gemeinde hineinträgt. Er verlässt nach heftigen
Auseinandersetzungen die Gemeinde 1981.
1977
Bezüglich der Erteilung frei-religiösen Religionsunterrichts schließt
die Gemeinde einen Gestellungsvertrag mit dem Hessischen Kultusministerium
ab. Die Gemeinde erwirbt von einem Briefmarkensammler 124 aufgefundene
Originalbriefe aus der Gründungszeit der Deutsch-Katholischen Gemeinde
Offenbach.
1979
Die Gemeindeversammlung beschließt, ein Beitragssystem für alle nicht
der Kirchensteuer unterliegenden Gemeindemitglieder einzuführen.
1980
Der aus dem Fachbereich der Arbeitsvermittlung kommende Wolfgang Pilger
wird mit 23 Jahren als bis dahin jüngster Gemeindevorsteher gewählt.
Zur Intensivierung der Jugendarbeit wird eine Stelle für eine hauptamtliche
pädagogische Kraft eingerichtet.
1982
Zwei alte Bildungs- und Wohltätigkeitsstiftungen aus Offenbach und Frankfurt
werden zur "Freireligiösen und Unitarischen Stiftung" zusammengelegt.
1983
Nach Studium in Heidelberg und Erlangen und Tätigkeit als Mitarbeiter
des Landespredigers der "Freireligiösen Landesgemeinde Baden"
tritt mit Jahresbeginn Heinrich Keipp die ausgeschriebene Stelle eines
pfarramtlichen Mitarbeiters in der Gemeinde an. Vier Jahre später wird
er von der Gemeindeversammlung zum Pfarrer gewählt. "Vom Gotteshaus
zum Gemeindezentrum" ist das Thema der Veranstaltungen, mit denen
das 125jährige Bestehen der Weihehalle am Schillerplatz gefeiert wird.
1984
Das "Frei-religiöse Sozialhilfswerk e.V." beschließt, durch
seine Mitgliedschaft das "Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche,
Frankfurt" zu unterstützen.
1985
Im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen des Arbeitsamtes stellt die
Gemeinde für fünf Personen Arbeitsplätze in Sonderprogrammen bereit.
1986
Die Gemeinde erhält als Nachlass die weltweite Korrespondenz und Handschriften
ihres früheren Predigers Erich Schramm.
1987
Nach dreijähriger Planungs- und Arbeitszeit wird in Verbindung mit der
Gemeindeversammlung im März der im Innern neu gestaltete große Weiheraum
in öffentlicher Feier der Gemeinde zur Nutzung wieder übergeben.
1988
Die Gemeindeversammlung beschließt ihre Datenschutzordnung, die dem
Schutz gegen Missbrauch personenbezogener Daten dient. Fahrschulinhaber
Ulrich Urban wird zum Gemeindevorsteher gewählt.
1989
Im April erhält die Gemeinde eine neue digital-elektronische Orgel;
sechs Jahre später folgt die Anschaffung eines Flügels. Anlässlich seines
25jährigen Dienstjubiläums wird Pfr. Helmut Manteuffel in Würdigung
seines Wirkens die Bürgermedaille der Stadt Offenbach in Bronze verliehen.
1991
Zur Betreuung der außerhalb der Stadt wohnenden Gemeindemitglieder eröffnet
Pfr. Keipp ein neues Gemeindeprogramm zur Durchführung von Veranstaltungen
im Landkreis.
1992
Aufgrund der Antragsvorlage des Gemeindeversammlungsbeschlusses von
1987 zur Erlangung unmittelbarer Mitgliedschaft der Gemeinde im "Weltbund
für religiöse Freiheit" (IARF) wird die Gemeinde zum Jahresanfang
als assoziiertes Mitglied aufgenommen. Zur Durchführung einer erweiterten
Seniorenarbeit wird im Mai die neu eingerichtete hauptamtliche Stelle
für Seniorenbetreuung besetzt.
1993
Nachdem seit den siebziger Jahren regelmäßige Konzertveranstaltungen
zur Vorstellung junger Musiker durchgeführt wurden, in den achtziger
Jahren die Reihe der Kunstausstellungen in der Gemeinde zur Vorstellung
bildender Künstler hinzukam, beschließt die Gemeindeversammlung ein
noch darüber hinausgehendes, erweitertes Kulturprogramm als Beitrag
der Gemeinde zum kulturellen Leben in der Stadt.
1995
Mit einem Festzyklus von 26 Veranstaltungen und 7 Sonderprojekten begeht
die Gemeinde ihr 150jähriges Bestehen unter dem Motto: "Die Gemeinde
wurzelt in der Vergangenheit, lebt in der Gegenwart, denkt in die Zukunft."
1998
Die Gemeinde ist unter www.freireligioese.de mit mehreren Seiten im Internet vertreten.
1999
Die bisher vierteljährlich getrennt erscheinende "MORGENRÖTE"
wird in vier Ausgaben der monatlichen "SCHILLERPLATZ VORSCHAU"
als Einheit eingefügt.
2000
Der Vorstand der Gemeinde erstellt eine ausführliche Geschäfts- und
eine entsprechende Wahlordnung, die im Folgejahr von der Gemeindeversammlung
für ihren Ablauf angenommen werden. Nach finanzieller
Unterstützung der ökumenischen Initiative "Soziale Not in Offenbach"
beschließt die Gemeinde, sich auch praktisch an deren Aktionen "Essen
und Wärme für Bedürftige" zu beteiligen.
2003
Am 21. September verabschiedet die Gemeinde Pfr.
Helmut Manteuffel auf eigenen Wunsch nach 39 Dienstjahren in den wohlverdienten
Ruhestand. Der Oberbürgermeister Gerhard Grandke ehrt Manteuffel
mit der Rathausmedaille der Stadt Offenbach.
2004
Ab 1. September beschäftigt die Gemeinde die Diplompädagogin
Christiane Friedrich als hauptamtlich angestellte Gemeindereferentin.
Im Dezember werden der Gemeinde die Entwürfe des
ehemaligen Professors und Leiters des Fachbereichs "Visuelle
Kommunikation" der Offenbacher Hochschule für Gestaltung, Klaus
Staudt, für die künstlerische Gestaltung der Weihehallenfenster
vorgestellt.
2005
Anlässlich einer außerordentlichen Gemeindeversammlung am 9.
Januar beschließt die Gemeinde mit deutlicher Mehrheit den "Erwerb
eines Grundstücks einschließlich Errichtung und Betrieb einer
Kindertagesstätte" und beauftragt den Gemeindevorstand mit der
Durchführung des Vorhabens.
In einer Feierstunde werden am 25. September die
neuen Fenster der Weihehalle der Gemeinde offiziell
"übergeben".
Am 27. September beginnen mit einem symbolischen
"1. Spatenstich" die Bauarbeiten für die gemeindeeigene
Kindertagesstätte. Gleichzeitig wird eine eigene Internetpräsenz für
die Kindertagesstätte unter www.freireligioese-kita-offenbach.de
eingerichtet.
Zahlreiche Vertreter der Stadt Offenbach mit
Oberbürgermeister Gerhard Grandke an der Spitze, beteiligte Firmen
sowie Vertreter und Mitglieder der Gemeinde kommen am 22. Dezember zum
Richtfest auf der Baustelle des Kindergartens in der Erlenbruchstraße
zusammen.
2006
Mit einem "Tag der offenen Tür" am 2. September und einer
offiziellen "Einweihungsfeier" am 10. September wird die
"Kindertagesstätte der Frei-religiösen Gemeinde Offenbach"
unter der Leitung von Monika Lehmler ihrer Bestimmung übergeben.
2008
Die Gemeinde feiert am 26. April das 25-jährige Dienstjubiläum ihres
Pfarrers Heinrich Keipp. Dazu erscheint ein bisher unveröffentlichter
Text von Arthur Drews, Die Ethik
Jesu, als Broschüre im Verlag Peter Guhl, Rohrbach/Pfalz
Zum 40-jährigen Dienstjubiläum gratuliert die
Gemeinde am 30. Oktober der Gemeindeamtsleiterin
Traudel Winkler u. a. mit einer von der Offenbacher
Schriftkünstlerin Christine Hartmann gestalteten Ehrenurkunde.
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