Geschichte


C H R O N I K

DER FREI-RELIGIÖSEN GEMEINDE OFFENBACH AM MAIN

zusammengestellt anlässlich der 150-Jahr-Feier der Gemeinde von Pfr. i. R. Helmut Manteuffel; redaktionell bearbeitet, für das Internet aufbereitet und fortgeschrieben von Pfr. Heinrich Keipp

1845
Ende Januar erhält der Kaufmann
Joseph Pirazzi (14.1.1799 - 31.12.1868) einen anonymen Brief mit der Aufforderung, im Sinne des in Mittel- und Ostdeutschland entstandenen Freigemeindetums, eine deutsch-katholische Gemeinde zu gründen. [Der katholische Kaplan Johannes Ronge hatte am 1. Oktober 1844 in seinem offenen Brief an den Bischof Arnoldi von Trier die Ausstellung des sogenannten Heiligen Rockes als ein Götzenfest verurteilt. Dieser Brief war von Robert Blum, einem späteren Abgeordneten des ersten gewählten deutschen Parlamentes (Paulskirchenbewegung), der im Zuge der politischen Restauration 1848 erschossen wird, in den Sächsischen Vaterlandsblättern veröffentlicht worden. Es entstand darauf hin eine Reformbewegung weg von Rom, die in Schneidemühl und Breslau zu den ersten deutsch-katholischen Gemeindegründungen führte.]

Im Februar nimmt der Sprachforscher und spätere Offenbacher Ehrenbürger
Dr. Lorenz Diefenbach Kontakt mit Joseph Pirazzi auf und erstellt für ihn sowohl theologische Ausarbeitungen als auch Verfassungsentwürfe zur weiteren Beratung. Am 3. März versucht Pirazzi vergeblich, den Mainzer Bischof Petrus Leopold Kaiser für die Reformpläne des Deutsch-Katholizismus zu gewinnen. Am 5. März treffen sich im "Schlosserschen" Saal etwa 300 an der Reform Interessierte. Für den 9. März wird im "Wochenblatt für die Stadt und den Kreis Offenbach" zur Gründungsversammlung eingeladen. Die Mehrzahl der Anwesenden bekennt sich durch ihre Unterschrift unter die Gründungsurkunde "aus freiem, selbständigem Entschlusse, wohlbedächtig und wohlüberlegt" zur "Katholisch-christlichen Gemeinde", die sich noch im Gründungsmonat, wie auch andere Gemeinden, "deutsch-katholisch" nennt. Am 18. Mai wird in feierlicher Form vor über 3000 Besuchern der erste Gottesdienst gehalten. Dieser sollte ursprünglich in der damaligen evangelischen Schlosskirche stattfinden, wurde aber nach Eingang eines Nutzungsverbotes aus Darmstadt in die innerhalb von 3 Tagen geräumte und festlich hergerichtete Güterhalle des Speditionshauses Böhm und Marchand (heute Frankfurter Straße 74 Hinterhaus) verlegt. Prediger ist Pfr. Karl Ferdinand Kerbler.

Im Juli wird Johannes Georg Keilmann zum ersten Pfarrer der Gemeinde gewählt. Er wirkt bis 1853, kehrt dann zur römisch-katholischen Kirche zurück und arbeitet als Hauptschullehrer bis zu seinem Tod in Gernsheim. Im September wird den Deutsch-Katholiken in der Frage der religiösen Unterweisung ihrer Kinder das Recht zugestanden, einen eigenen Unterricht durchzuführen. Am 3. Oktober hält Ronge auf seiner fünften Rundreise durch Deutschland auf dem Wiesengelände des Carl Christian Schäfer am Südrand der Stadt (heute südlich des Bahndammes zwischen Schäferstraße und Hohestraße) eine von über 13.000 Menschen mit Begeisterung aufgenommene Predigt.


1846
Der Bau eines eigenen Gotteshauses wird beschlossen. Der größte Teil der Baukosten wird durch
Darlehensobligationen aufgebracht. Das Gelände war der Gemeinde teils von der Stadt, teils von Johannes Hammardt geschenkt worden. Am 31. August erfolgt die Grundsteinlegung am Schillerplatz.

1848
Die Schlosskirchengemeinde - später bekannt als lutherische Stadtkirche - stellt ihre Kirche der Deutsch-Katholischen Gemeinde in Miete zur Verfügung. Bis dahin fanden die Versammlungen im Ihmschen Haus (Karlstraße 12) und im "Darmstädter Hof " (Großer Biergrund 9) statt.

1853
Nach dem Ausscheiden von Pfr. Keilmann erfährt die Gemeinde drei Jahre lang Amtshilfe aus befreundeten deutsch-katholischen Gemeinden durch: Friedrich Wilhelm Flos (Frankfurt), Wilhelm Hieronymi (Darmstadt), Carl Hiepe (Wiesbaden), Dr. Brugger (Heidelberg), Prediger Henneberg (Osthofen).

1856
Johann Martin Hirschmann, letzter ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt, übernimmt nach der jahrelangen Tätigkeit von Joseph Pirazzi den ersten Vorsitz im Gemeindevorstand. Der von seiner Predigt bei dem ersten Gottesdienst bereits bekannte Pfr. Karl Ferdinand Kerbler wird zum Pfarrer der Gemeinde gewählt. Er wirkt bis zu seinem Tod im Jahre 1868.

1858
Die
feierliche Einweihung des Gotteshauses der Gemeinde erfolgt am 9. Mai. Bei einem anschließenden Festessen stiftet Dr. Jacobson von der Gemeinde Berlin 1000 Gulden zur Gründung einer "Freireligiösen Stiftung".

1859
Der Offenbacher Geschichtsschreiber und Sohn des Gemeindegründers, Emil Pirazzi, vertritt die Gemeinde bei der Gründung des "Bundes Freireligiöser Gemeinden Deutschlands" am 16. und 17. Juni in Gotha.

1863
Auf ihr Gesuch werden der "Deutsch-Katholischen (freireligiösen) Gemeinde in Offenbach a. M." am 24. Juni vom Darmstädter Großherzoglichen Ministerium des Innern die
Korporationsrechte verliehen.

1868
Am letzten Tag des Jahres stirbt Joseph Pirazzi. Sein Tod wird vom Amtsnachfolger Pfr. Kerblers, der im Juli die Gemeinde verlassen hat, Pfarrer
Heribert Rau, ins Sterberegister der Gemeinde eingetragen. Rau, der noch als Kaufmann bei der Gründung der Frankfurter Gemeinde initiativ war, wirkt nach Theologiestudium und Beschäftigung in Stuttgart und Mannheim seit seiner Antrittspredigt am 2. August als Pfarrer in Offenbach bis 1875. Weithin bekannt ist seine schriftstellerische Tätigkeit durch die Veröffentlichung biographischer, schöngeistiger, kulturgeschichtlicher und naturwissenschaftlicher Werke. Er stirbt 1876 in Frankfurt.

1875
Die Gemeinde erhält, zusammen mit der evangelischen und der katholischen Kirche, das Besteuerungsrecht. In der Zeit, in der die Gemeinde nach einem neuen Pfarrer sucht, leisten Friedrich Wilhelm Flos aus Frankfurt und Wilhelm Hieronymi aus Mainz sowie Friedrich Albrecht aus Ulm Amtshilfe.

1877
Am 18. Mai wird
Karl Voigt aus Eisfeld in Thüringen von den beiden Gemeindevorsitzenden Johann Martin Kappus und Emil Pirazzi als neuer Gemeindepfarrer eingeführt. Er hatte in Jena Theologie, Philosophie, Zoologie und Entwicklungslehre studiert und war in verschiedenen Lehrerstellen tätig gewesen. Voigt begründet als "Blätter für die religiöse Reform und Humanität" die Gemeindezeitschrift "Die Morgenröthe".

1893
Der
Gemeindechor, der über 60 Jahre bei Feier- und Weihestunden der Gemeinde wie auch bei öffentlichen Veranstaltungen auftritt, wird gegründet.

1894
Am 18. November findet die
Feier zur Einweihung der im Innern neu hergestellten Erbauungshalle statt. Gustav Rochow übernimmt das Amt des ersten Vorsitzenden in der Gemeinde, das er mit Unterbrechungen bis zu seinem Tod 1916 inne hat. Von 1904 bis 1907 liegt die Gemeindeleitung in Händen des Offenbacher Lithographen Georg Wilhelm Hirschmann.

1895
Zur Erinnerung an das 50jährige Bestehen der Gemeinde erscheint "Die Gründung der Deutschkatholischen Gemeinde in Offenbach am Main. Eine Festschrift zur ersten Halb-jahrhundertfeier ihres Bestehens von Emil Pirazzi."

1905
Der evangelischen Friedenskirchengemeinde wird die Erbauungshalle am Schillerplatz bis zur Fertigstellung ihres eigenen Gotteshauses (1912) zur Verfügung gestellt.

1907
Zur Unterstützung für Pfr. Voigt und vor allem zur Durchführung des Religionsunterrichtes wird die Stelle eines zweiten Pfarrers ausgeschrieben und der aus Diedendorf sich bewerbende Vikar
Otto Bloch am 15. Dezember als Pfarrer eingeführt. Er scheidet jedoch nach siebzehn Amtsjahren zum allgemeinen Bedauern 1925 aus dem Dienst der Gemeinde aus und wird wieder evangelischer Pfarrer in Dudenhofen.

1912
Die Gemeindeversammlung beschließt einstimmig, fortan von Abendmahlsfeiern abzusehen.


1913
Der Jugendbund der Gemeinde wird mit 70 Mitgliedern gegründet. Er wird im "Dritten Reich" aufgelöst.

1917
Pfarrer Karl Voigt, der am 1. April 1910 aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand trat, jedoch bis zu seinem Tod am 26. Juni 1924 in Offenbach innerhalb und außerhalb der Gemeinde wirkt, wird anlässlich seines 40jährigen Dienstjubiläums von der Großherzoglich Hessischen Staatsregierung mit dem "Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen" hoch geehrt. Zum ersten Vorsitzenden in der Gemeindeleitung wird Wilhelm Haeußer gewählt, der dieses Amt bis 1927 inne hat.

1924
Der "Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands" und der bürgerliche Freidenkerverband gehen im "Volksbund für Geistesfreiheit" auf. Zur Wahrung der alten freireligiösen Tradition bilden im Oktober südwestdeutsche Gemeinden, darunter auch Offenbach, den "Verband Freireligiöser Gemeinden Süd - und Westdeutschlands".

1925
An seinem 40. Geburtstag, dem 1. November, tritt
Erich Schramm, ein philosophisch, literarisch gebildeter Philologe des höheren Lehramtes sein Amt als Gemeindepfarrer an. Er widmet sich der Jugendarbeit, pflegt internationale Kontakte und bringt 1929 die Jugendgruppe der Gemeinde in Verbindung mit dem "Leidener Internationalen Bureau", der späteren "International Religious Fellowship" (IRF).

1927
Der Frauenverein der Gemeinde wird mit 40 Mitgliedern gegründet und trifft sich zu Geselligkeit und Zwecken der Wohltätigkeit im Gemeindesaal, der sich im Haus des Seifenfabrikanten und Vorstandsmitglieds Ludwig Kappus befindet. Der Berufsschullehrer August Raab übernimmt für 12 Jahre den Vorsitz in der Gemeinde.

1933
Im Zuge heftiger politischer und weltanschaulicher Auseinandersetzungen in der Gemeinde scheidet Prediger Schramm, unter anderem auch auf Vorhaltung seiner Homosexualität, aus den Diensten der Gemeinde aus. Um Amtshilfe wird Pfr. Clemens Taesler aus Frankfurt gebeten. Im August beschließt die Gemeindeversammlung eine neue Verfassung und nimmt dabei den Namen "Freichristliche (freireligiöse) Gemeinde" an.

1934
Am 15. Februar übernimmt, von der freireligiösen Gemeinde in München kommend, Max Gehrmann die Pfarrstelle. Der in Elbing geborene ehemalige katholische Priester hatte sich nach den Erlebnissen als Militärpfarrer im Ersten Weltkrieg und der Auseinandersetzung mit der vergleichenden Religionswissenschaft vom Absolutheitsanspruch der christlichen Kirche losgesagt. Der Südwestdeutsche Verband benennt sich in "Freie Religionsgemeinschaft Deutschlands" um. In schwierigen Verhandlungen mit höchsten Partei- und Regierungsstellen gelingt es so, ein auch für die Offenbacher Gemeinde drohendes Verbot abzuwenden.

1936
Im Frühjahr wird der Innenraum der Weihehalle, dessen Gepräge noch aus der Zeit vor der Jahrhundertwende stammt, völlig umgestaltet.

1943
Am 20. Dezember wird die Weihehalle am Schillerplatz bei Luftangriffen
zerstört und brennt aus. Damit sind auch die in den zwanziger Jahren von dem holländischen Glasmaler Thorn-Prikker entworfenen und vom Offenbacher Schriftkünstler Otto Reichert mit Texten versehenen 5 Buntglasfenster der Südseite der Halle vernichtet. Ein Teil des Archivmaterials der Gemeinde kann jedoch gerettet werden. Ludwig Limbert tritt vom Amt des ersten Vorsitzenden zurück, das er seit 1939 inne hatte.

1945
Nach Kriegsende findet im Oktober wieder eine Mitgliederversammlung statt. Gemeindevorsteher wird Schulrektor Fritz Herrmann. Die Veranstaltungen der Gemeinde finden in Gaststätten, dem Logensaal und der Wohnung des Pfarrers in der Rathenaustraße statt.

1948
Auf einem Treffen der freireligiösen Gemeinden der drei Westzonen gründet sich im September in Offenbach die Arbeitsgemeinschaft der freireligiösen Verbände, die sich dann wieder den alten Namen "Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands" gibt und bald danach mit der "Freien Religionsgemeinschaft Deutschlands" zusammengeht.

1949
Im Oktober gründet sich in Offenbach der "Freireligiöse Jugendbund Deutschlands" wieder. Kurz vor Weihnachten wird das ca. 100 Personen fassende Behelfsheim der Gemeinde, eine Stahlblechbaracke aus amerikanischem Heeresbesitz, eingeweiht.

1952
Nachdem die Offenbacher Jugendgruppe in den letzten zwei Jahren an internationalen Begegnungen teilnehmen konnte, wird der "Freireligiöse Jungendbund Deutschlands" wieder in die "International Religious Fellowship" (IRF) aufgenommen .

1954
Mit Festveranstaltungen im September werden durch den neu gewählten Gemeindevorsteher Heinrich Becht die unteren Räume der in den alten Grundmauern, innerlich jedoch völlig neu zu einem Gemeindezentrum konzipierten, wieder erbauten Weihehalle ihrer Bestimmung übergeben.

1956
Der inzwischen fertiggestellte große Weiheraum im Obergeschoß wird mit der ersten elektronischen Kirchenorgel Offenbachs ausgestattet. Walter Manteuffel, zum Gemeindevorsteher gewählt, begrüßt die Delegierten des Kongresses des Internationalen Religiösen Jugendbundes (IRF) auf der Rosenhöhe.

1957
Pfr. Max Gehrmann erstellt den "Bildungsplan für den frei-religiösen Unterricht". Die Gemeinde löst die nach dem Krieg eingegangene Bindung an die "Freireligiöse Landesgemeinschaft Hessen" und scheidet damit auch aus dem "Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands" aus. Der Wiedereintritt in den Bund erfolgt 1972 als selbständige über Offenbach hinaus tätige Großgemeinde.

1958
Im Februar beginnt Pfarrer Diether Gehrmann seinen Dienst in der Gemeinde neben seinem Vater. Er war unmittelbar nach dem Krieg beim Wiederaufbau der Jugendarbeit und der Herstellung der internationalen Kontakte zu englischen und amerikanischen Unitariern tätig geworden und nach dem Studium in Frankfurt, Mainz, Chicago und Berkeley in den USA zum Pfarrer ordiniert worden. Im Sommer wird die Gemeinde im Kreis einer deutschen Arbeitsgemeinschaft in den "Weltbund für Religiöse Freiheit und Freies Christentum" (IARF) aufgenommen.

1959
Als monatliches Gemeindemitteilungsblatt wird die "Schillerplatz Vorschau" neben der nun vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift "Morgenröte" herausgegeben.

1962
Im Januar bezieht das 1958 eingerichtete Gemeindeamt die Räume des soeben vollendeten Pfarr- und Gemeindehauses. Der Journalist Ulrich Maletzki wird zum Gemeindevorsteher gewählt. Ein Jahr später übernimmt Architekt Heinrich Lehberger den Gemeindevorsitz. An allen Offenbacher Einfahrtsstraßen werden entsprechend den Tafeln der beiden christlichen Großkirchen Hinweisschilder auf die Frei-religiöse Gemeinde aufgestellt.

1964
Im September wird Helmut Manteuffel als zweiter Pfarrer neben Pfr. Diether Gehrmann in die Gemeinde eingeführt. Er hatte nach dem religionswissenschaftlichen Studium in Marburg seine Ausbildung zum Pfarrerabschluss in Berkeley (USA) erworben.

1965
Das neuerstellte Jugendheim am Schillerplatz wird im März eingeweiht. Gemeindevorsteher wird Dr. Joachim Bartsch. Pfr. Manteuffel wird zum ersten deutschen Präsidenten des Internationalen Religiösen Jugendbundes (IRF) gewählt.

1966
Der ehemalige Handelsschuldirektor Dr. Fritz Eich wird zum Gemeindevorsteher gewählt. Im Sommer beginnt der internationale Pfarreraustausch zwischen einer unitarisch-universalistischen Gemeinde in Philadelphia (USA) mit Rev. Rudolf Gelsey und der Frei-religiösen Gemeinde in Offenbach mit Pfr. Diether Gehrmann. Der Austausch endet im Sommer des folgenden Jahres und Pfr. Gehrmann übernimmt eine unitarische Gemeinde bei New York. Er wird später Generalsekretär des "Weltbundes für Religiöse Freiheit" (IARF).

1968
Im Januar wird der "Verband Freier Religionsgemeinschaften" von der Freireligiösen Landesgemeinde Baden, der Unitarischen Freien Religionsgemeinde Frankfurt a.M. und der Frei-religiösen Gemeinde Offenbach in Wiederaufnahme der Tradition des früheren Südwestverbandes gegründet. Im Dezember wird Jürgen Rasche zum zweiten Pfarrer der Gemeinde bestellt. Er bleibt bis 1972.

1969
Zum Gemeindevorsteher wird Stadtoberamtmann Hans Kaufmann gewählt. Anlässlich der Veröffentlichung der Gedichtsammlung "Weltmelodie" und der "Geschichte der Freireligiösen Gemeinde in Offenbach am Main" wird Pfr. Max Gehrmann in Würdigung seines Wirkens die Bürgermedaille der Stadt Offenbach in Bronze verliehen. Er war 1961 in den Ruhestand getreten, wirkt in der Gemeinde aber noch bis kurz vor seinem Tod am 13. Juni 1977.

1970
In einem Festzyklus vom 8. bis 22. März feiert die Gemeinde ihr 125jähriges Bestehen.

1972
Ein ehrenamtlicher Betreuungsdienst für die Gemeindemitglieder in Offenbacher Alten- und Pflegeheimen wird eingerichtet.

1973
Der aus der ehrenamtlichen Jugendarbeit kommende Wolfgang Braun wird zum Gemeindevorsteher gewählt. Das in den sechziger Jahren entstandene Hilfswerk der Gemeinde wird umgestaltet und als "Frei-religiöses Sozialhilfswerk" erneut ins Vereinsregister eingetragen. Durch Mitgliedschaft in der "Offenbacher Arbeitsgruppe Wildhof" unterstützt die Gemeinde eine erste Betreuungsstelle für Drogengefährdete in der Stadt. Eine Stelle für eine Gemeinde-Krankenpflegerin wird geschaffen und besetzt, muss jedoch nach sieben Jahren wieder aufgegeben werden. Die Gemeinde erhält die Anerkennung als Einrichtung zur Ableistung des zivilen Ersatzdienstes von Kriegsdienstverweigerern.

1975
Als zweiter Pfarrer neben Pfr. Manteuffel wird Manfred Menzel eingestellt, der anfänglich ökologische Gesichtspunkte, später genmanipulatorische Vorstellungen in die Gemeinde hineinträgt. Er verlässt nach heftigen Auseinandersetzungen die Gemeinde 1981.

1977
Bezüglich der Erteilung frei-religiösen Religionsunterrichts schließt die Gemeinde einen Gestellungsvertrag mit dem Hessischen Kultusministerium ab. Die Gemeinde erwirbt von einem Briefmarkensammler 124 aufgefundene Originalbriefe aus der Gründungszeit der Deutsch-Katholischen Gemeinde Offenbach.

1979
Die Gemeindeversammlung beschließt, ein Beitragssystem für alle nicht der Kirchensteuer unterliegenden Gemeindemitglieder einzuführen.

1980
Der aus dem Fachbereich der Arbeitsvermittlung kommende Wolfgang Pilger wird mit 23 Jahren als bis dahin jüngster Gemeindevorsteher gewählt. Zur Intensivierung der Jugendarbeit wird eine Stelle für eine hauptamtliche pädagogische Kraft eingerichtet.

1982
Zwei alte Bildungs- und Wohltätigkeitsstiftungen aus Offenbach und Frankfurt werden zur "Freireligiösen und Unitarischen Stiftung" zusammengelegt.

1983
Nach Studium in Heidelberg und Erlangen und Tätigkeit als Mitarbeiter des Landespredigers der "Freireligiösen Landesgemeinde Baden" tritt mit Jahresbeginn Heinrich Keipp die ausgeschriebene Stelle eines pfarramtlichen Mitarbeiters in der Gemeinde an. Vier Jahre später wird er von der Gemeindeversammlung zum Pfarrer gewählt. "Vom Gotteshaus zum Gemeindezentrum" ist das Thema der Veranstaltungen, mit denen das 125jährige Bestehen der Weihehalle am Schillerplatz gefeiert wird.

1984
Das "Frei-religiöse Sozialhilfswerk e.V." beschließt, durch seine Mitgliedschaft das "Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche, Frankfurt" zu unterstützen.

1985
Im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen des Arbeitsamtes stellt die Gemeinde für fünf Personen Arbeitsplätze in Sonderprogrammen bereit.

1986
Die Gemeinde erhält als Nachlass die weltweite Korrespondenz und Handschriften ihres früheren Predigers Erich Schramm.

1987
Nach dreijähriger Planungs- und Arbeitszeit wird in Verbindung mit der Gemeindeversammlung im März der im Innern neu gestaltete große Weiheraum in öffentlicher Feier der Gemeinde zur Nutzung wieder übergeben.

1988
Die Gemeindeversammlung beschließt ihre Datenschutzordnung, die dem Schutz gegen Missbrauch personenbezogener Daten dient. Fahrschulinhaber Ulrich Urban wird zum Gemeindevorsteher gewählt.

1989
Im April erhält die Gemeinde eine neue digital-elektronische Orgel; sechs Jahre später folgt die Anschaffung eines Flügels. Anlässlich seines 25jährigen Dienstjubiläums wird Pfr. Helmut Manteuffel in Würdigung seines Wirkens die Bürgermedaille der Stadt Offenbach in Bronze verliehen.

1991
Zur Betreuung der außerhalb der Stadt wohnenden Gemeindemitglieder eröffnet Pfr. Keipp ein neues Gemeindeprogramm zur Durchführung von Veranstaltungen im Landkreis.

1992
Aufgrund der Antragsvorlage des Gemeindeversammlungsbeschlusses von 1987 zur Erlangung unmittelbarer Mitgliedschaft der Gemeinde im "Weltbund für religiöse Freiheit" (IARF) wird die Gemeinde zum Jahresanfang als assoziiertes Mitglied aufgenommen. Zur Durchführung einer erweiterten Seniorenarbeit wird im Mai die neu eingerichtete hauptamtliche Stelle für Seniorenbetreuung besetzt.

1993
Nachdem seit den siebziger Jahren regelmäßige Konzertveranstaltungen zur Vorstellung junger Musiker durchgeführt wurden, in den achtziger Jahren die Reihe der Kunstausstellungen in der Gemeinde zur Vorstellung bildender Künstler hinzukam, beschließt die Gemeindeversammlung ein noch darüber hinausgehendes, erweitertes Kulturprogramm als Beitrag der Gemeinde zum kulturellen Leben in der Stadt.

1995
Mit einem Festzyklus von 26 Veranstaltungen und 7 Sonderprojekten begeht die Gemeinde ihr 150jähriges Bestehen unter dem Motto: "Die Gemeinde wurzelt in der Vergangenheit, lebt in der Gegenwart, denkt in die Zukunft."

1998
Die Gemeinde ist unter
www.freireligioese.de mit mehreren Seiten im Internet vertreten.

1999
Die bisher vierteljährlich getrennt erscheinende "MORGENRÖTE" wird in vier Ausgaben der monatlichen "SCHILLERPLATZ VORSCHAU" als Einheit eingefügt.

2000
Der Vorstand der Gemeinde erstellt eine ausführliche Geschäfts- und eine entsprechende Wahlordnung, die im Folgejahr von der Gemeindeversammlung für ihren Ablauf angenommen werden.
Nach finanzieller Unterstützung der ökumenischen Initiative "Soziale Not in Offenbach" beschließt die Gemeinde, sich auch praktisch an deren Aktionen "Essen und Wärme für Bedürftige" zu beteiligen.

2003
Am 21. September verabschiedet die Gemeinde Pfr. Helmut Manteuffel auf eigenen Wunsch nach 39 Dienstjahren in den wohlverdienten Ruhestand. Der Oberbürgermeister Gerhard Grandke ehrt Manteuffel mit der Rathausmedaille der Stadt Offenbach.

2004
Ab 1. September beschäftigt die Gemeinde die Diplompädagogin Christiane Friedrich als hauptamtlich angestellte Gemeindereferentin.

Im Dezember werden der Gemeinde die Entwürfe des ehemaligen Professors und Leiters des Fachbereichs "Visuelle Kommunikation" der Offenbacher Hochschule für Gestaltung, Klaus Staudt, für die künstlerische Gestaltung der Weihehallenfenster vorgestellt.

2005
Anlässlich einer außerordentlichen Gemeindeversammlung am  9. Januar beschließt die Gemeinde mit deutlicher Mehrheit den "Erwerb eines Grundstücks einschließlich Errichtung und Betrieb einer Kindertagesstätte" und beauftragt den Gemeindevorstand mit der Durchführung des Vorhabens.

In einer Feierstunde werden am 25. September die neuen Fenster der Weihehalle der Gemeinde offiziell "übergeben". 

Am 27. September beginnen mit einem symbolischen "1. Spatenstich" die Bauarbeiten für die gemeindeeigene Kindertagesstätte. Gleichzeitig wird eine eigene Internetpräsenz für die Kindertagesstätte unter www.freireligioese-kita-offenbach.de eingerichtet.

Zahlreiche Vertreter der Stadt Offenbach mit Oberbürgermeister Gerhard Grandke an der Spitze, beteiligte Firmen sowie Vertreter und Mitglieder der Gemeinde kommen am 22. Dezember zum Richtfest auf der Baustelle des Kindergartens in der Erlenbruchstraße zusammen.

2006
Mit einem "Tag der offenen Tür" am 2. September und einer offiziellen "Einweihungsfeier" am 10. September wird die "Kindertagesstätte der Frei-religiösen Gemeinde Offenbach" unter der Leitung von Monika Lehmler ihrer Bestimmung übergeben.

2008
Die Gemeinde feiert am 26. April das 25-jährige Dienstjubiläum ihres Pfarrers Heinrich Keipp. Dazu erscheint ein bisher unveröffentlichter Text von Arthur Drews, Die Ethik Jesu, als Broschüre im Verlag Peter Guhl, Rohrbach/Pfalz

Zum 40-jährigen Dienstjubiläum gratuliert die Gemeinde am 30. Oktober der Gemeindeamtsleiterin Traudel Winkler u. a. mit einer von der Offenbacher Schriftkünstlerin Christine Hartmann gestalteten Ehrenurkunde.